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Der unterschätzte Recruiting-Hebel des öffentlichen Dienstes


Der öffentliche Dienst sucht händeringend Fachkräfte. Und gleichzeitig sitzt er auf seinem stärksten Recruiting-Hebel, ohne ihn zu nutzen.


Der Hebel hat einen Namen: Amtsfluencer.





Was ist eigentlich ein Amtsfluencer?


In der LinkedIn-Bubble ist der Begriff inzwischen geläufig - außerhalb davon haben ihn die meisten Menschen noch nie gehört. Dabei steht dahinter etwas erstaunlich Einfaches: Menschen, die in Behörden arbeiten und aus ihrem Arbeitsalltag erzählen. Keine Hochglanz-Kampagne, keine Agentur-Inszenierung. Eine Person, die ihre Position als Sprachrohr nutzt und zeigt, wie Verwaltung von innen wirklich aussieht.

Klingt unspektakulär. Wirkt aber. Dort, wo Amtsfluencer aktiv sind, lassen sich konkrete Effekte beobachten: mehr Bewerbungen, mehr Sichtbarkeit, mehr Interesse an Jobs, die viele pauschal für „staubtrocken" halten, bis ihnen jemand zeigt, dass sie es nicht sind.


Wo der Hebel schmerzhaft fehlt: an Hochschulen


So sichtbar einzelne Behörden inzwischen werden, so still bleibt ein ganzer Bereich: die Hochschulverwaltung.

Hochschulen zeigen ihren Arbeitsalltag praktisch nie. Das ist bemerkenswert, denn sie kämpfen an gleich mehreren Fronten um Menschen: um Professuren im Berufungsmanagement, um Fachkräfte in der Verwaltung, um Aufmerksamkeit in einem Wettbewerb, den sie finanziell gegen die Privatwirtschaft oft nicht gewinnen können.

Und genau hier gibt es die Möglichkeit anzusetzen, denn: Sichtbarkeit kostet kein Geld. Sie kostet Mut.

Eine Hochschule, die zeigt, was sie ausmacht - welche Themen ihre Abteilungen bewegen, warum Menschen gern dort arbeiten, was sie anderen voraushat -, kann fehlende finanzielle Mittel zumindest teilweise ausgleichen. Employer Branding entscheidet darüber, ob jemand sich überhaupt erst bewirbt.


Eine Kategorie, die darauf wartet, besetzt zu werden


Es lohnt sich, zwei Begriffe sauber zu trennen, die oft vermischt werden:


  • Wissenschaftskommunikator:innen berichten über die Hochschule und ihre Forschung - aus institutioneller Perspektive.

  • Sci-Fluencer teilen ihre eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse.


Was dazwischen fehlt, ist das Pendant zum Amtsfluencer: Menschen aus der Hochschulverwaltung, die aus ihrem eigenen Arbeitsalltag erzählen. Diese Kategorie existiert bislang kaum bis gar nicht. Für „Amtsfluencer" gibt es einen Begriff. Für sein Hochschul-Äquivalent noch nicht. Eine ganze Rolle wartet schlicht darauf, besetzt zu werden.

Dabei wären die Geschichten längst da. Kaum jemand außerhalb hat eine Vorstellung davon, wie vielfältig die Abteilungen einer Hochschule arbeiten. Genau dieses Unsichtbare ist Rohmaterial für Reichweite.


Was können Hochschulen konkret tun?


Es braucht keinen großen Apparat, um anzufangen:


  1. Menschen sichtbar machen, nicht nur die Institution. Persönliche Perspektiven schlagen anonyme Pressetexte.

  2. Behind the Scenes zeigen. Der Alltag einer Abteilung ist interessanter, als die meisten Beschäftigten selbst glauben.

  3. Employer Branding ernst nehmen. Die ehrliche Antwort auf „Warum solltet ihr zu uns kommen?" ist oft überzeugender als jede Stellenausschreibung.

  4. Den Mut belohnen, nicht den Hochglanz. Authentizität schlägt Perfektion - gerade auf Plattformen wie LinkedIn, auf denen ohnehin alles zunehmend gleich klingt.


Fazit


Wer im öffentlichen Dienst um Talente kämpft, kann es sich nicht länger leisten, leise zu sein. Sichtbarkeit ist keine Eitelkeit; sie ist Strategie.

 
 
 

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